In dieser Zeit nicht die Hoffnung auf Gott verlieren!

Gedanken zum Palmsonntag und zur Karwoche

 

Crux – spes unica

Mit dem Palmsonntag beginnt die Heilige Woche, in der wir des Leidens und Sterbens Jesu gedenken. Wir lesen die Leidensgeschichte Jesu, seine Passion, und werden mit hinein genommen in das Geschehen jener Tage, die angefüllt und bestimmt waren von Hingabe und Verrat, von Liebe und Hass, von Vergebung und Anklage, und am Ende von Tod und Leben.

 

Mich hat seit jeher eine große Frau unseres Landes fasziniert, die in ihrem eigenen Leben in  solch einer Spannung gelebt hat: in den Gegensätzen von Atheismus und Glauben, von brillantem Intellekt und tiefer Frömmigkeit, von Studium der Wissenschaft und von Nachfolge in einem Leben, das ganz und gar zum Zeugnis für Christus wurde: Edith Stein, die als Karmelitin Teresa Benedicta a Cruce  ihr Leben als Stellvertretung, als Sühne und Opfer gegeben hat.

 

Theresia, vom Kreuz Gesegnete hat in der dramatischen Entwicklung ihrer letzten Lebensjahre ihren Glauben im Gebet zusammengefasst: „Crux – spes unica“ – „Das Kreuz – einzige Hoffnung“. Dieses Glaubensbekenntnis ist schon vorher zum Kern ihres Lebens geworden. Edith Stein schreibt ihr Credo 1942 aus dem Sammellager Westerbork in Holland. Nach einem mutigen Hirtenwort der holländischen Bischöfe gegen die Nazis waren die Katholiken jüdischer Abstammung zum Abtransport in eines der Konzentrationslager im Osten dort zusammengepfercht worden. In einem kleinen Brief an ihre Priorin in Echt bekennt Edith Stein: „... ich bin mit allem zufrieden. Eine ‚Scientia Crucis‘ (Wissen um das Kreuz; Erkenntnis des Kreuzes) kann man nur gewinnen, wenn man das Kreuz gründlich zu spüren bekommt. Davon war ich vom ersten Augenblick an überzeugt und habe von Herzen ‚Ave, Crux, Spes unica‘ gesagt.“

 

Das, was wir zur Zeit erleben, lastet wie ein Kreuz auf der Erfahrung der großen Welt und unserer eigenen Wirklichkeit. Wir spüren, wie unsere Hände gebunden sind, wie wir nur helfen können, indem wir uns zurückziehen, dem anderen gut sind, indem wir die Kontakte auf ein Minimum zurückführen. Es ist ein Kreuz, das uns auferlegt wird. Und auch wir können es weder mit einer Handbewegung beiseite schaffen noch können wir es ignorieren, schon gar nicht verharmlosen. Es ist ein Kreuz, das uns Menschen in allen Ländern der Erde leiden lässt.

 

Diese augenblickliche Situation will ich nicht geistlich verbrämen (wie könnte ich), aber ich möchte daran erinnern, dass die Kreuze in unserem Leben uns nicht vernichten, sondern dass sie zum Zeichen von Erlösung werden, von Rettung, von Zukunft und Heil.

 

Christus nimmt sein Kreuz an, beugt sich unter seiner Last und lässt sich und seine Liebe aufs Kreuz legen. Er stirbt – aber Gottes Leben siegt. Das Kreuz ist Schandmal, Galgen und Hohn gewesen und ist es als Marterwerkzeug heute immer noch, aber Gott hat seine Macht gebrochen, hat Leben gebracht, Hoffnung gesetzt.

 

Wenn unser Leben, unsere Planungen durchkreuzt werden, wenn wir uns betrogen und verraten fühlen, wenn wir Angst haben und Sorgen uns drücken, wenn Trauer unsere Tage bestimmt, dann dürfen wir nicht vergessen, dass das Kreuz überwunden ist, dass es Zukunft gibt, dass wir Hoffnung haben dürfen, weil dieser eine, Jesus Christus, dem Kreuz die vernichtende Macht genommen hat. Darum kann Edith Stein sagen: Das Kreuz – unsre einzige Hoffnung. An Ostern feiern wir, dass das Kreuz nicht nur Mahnzeichen des Leidens und qualvollen Sterbens ist, sondern auch Zeichen des glanzvollen Sieges im Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn.

 

Die Tage der Karwoche erinnern uns daran und geben uns neuen Mut. Wir dürfen wissen, wir haben Zukunft, uns ist Leben geschenkt, wir dürfen Hoffnung haben, Gott macht alles gut. Schauen wir in diesen Tagen immer wieder zum Kreuz in unseren Häusern und Wohnungen, greifen wir nach dem Kreuz, das wir nicht nur als Schmuck, sondern auch als Bekenntnis tragen, und bezeugen wir: Du Kreuz, unsere einzige Hoffnung.

 

Vielleicht so:

Jesus Christus, in diesen Tagen erinnern wir uns deiner Passion. Wir schauen auf das Kreuz, das dir auferlegt wurde, auf das man dich gelegt und dich und deine Botschaft festgenagelt hat. Du hast dieses Kreuz angenommen und du hast an ihm gesiegt, denn deine Liebe ist stärker als der Hass, deine Vergebung wirksamer als die Verurteilung, das Leben ist stärker als der Tod. Begleite uns in diesen Tagen und Wochen und lass uns deine Nähe spüren. Schenke unserem Leben Halt und lass uns aus deiner Passion Mut gewinnen.

Amen.

 

 

Kontakt:

 

Pfarrer Heinrich Schmidt

Leiter des Pastoralen Raumes

Hundemstr. 53

57399 Kirchhundem

 

Tel.: 0 27 23 - 68 73 65 - 0

Fax: 0 27 23 - 68 73 65 - 9

 

e-Mail: pfarrbuero.kirchhundem(at)prkh.de

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